5 Fragen an: Anja - Therapeutin und Deutsch-Trainerin

Anja Budde ist 49 Jahre alt, verheiratet und lebt als Therapeutin und Deutsch-Trainerin in München. Gerade verbringt sie Zeit in Indien, um an ihrer Website und einem Buch zu arbeiten.

 

Seit wann und warum, weißt du, dass du hochsensibel bist?

 

Mir ist schon sehr früh, also eigentlich immer, aufgefallen, dass ich anders, feinfühliger wahrnehme als andere Menschen, und ich hatte lange Jahre das Gefühl, mit mir stimmt etwas nicht. Vor etwa drei Jahren bin ich im Internet zufällig über das Buch "Zart besaitet" von Georg Parlow gestolpert - das hat mir die Augen geöffnet... 

 

HSP - Last oder Glück?

 

Beides! Im Alltag sehr sehr oft eine Last - von lauten Zugabteilen bis hin zu den Gerüchen aus der Fleischtheke im Supermarkt - ich habe manchmal das Gefühl, unentwegt bombardiert zu werden von unerwünschten aufdringlichen Sinneseindrücken.

 

 

 

Positiv ist das Ganze, weil ich nun, so wie es aussieht, mehr denn je meine Berufslaufbahn darauf aufbaue (siehe nächste Frage!).

 

Hast du eine Berufung oder einen Beruf gewählt?

 

Über viele Um- und Irrwege sowohl äußerlich (sich vergeblich vermeintlichen Erwartungen von Kollegen und Chefs anpassen, nie das Richtige finden, aus finanzieller Notwendigkeit heraus "Brutalo-Jobs" machen müssen usw.) und innerlich (permanentes sich und seine Ziele in Frage-Stellen und 30 Jahre Suchen nach der "Berufung") habe ich mich mehr und mehr dem angenähert, was ich jetzt für mich als Berufung empfinde.

 

Bei meinem einen Standbein, Deutschunterricht (als Fremdsprache) mit Einzelschülern in großen Firmen, hilft mir meine vielfältige berufliche Erfahrung und meine "Intuition" oft sehr, wenn es darum geht, den richtigen Umgang mit den extrem unterschiedlichen Teilnehmern zu finden.

 

Bei meinem zweiten Standbein, Körper-Psychotherapie auf der Basis von "Biodynamic Cranio Therapy", das ich in Zukunft mehr und mehr ausbauen will, ist meine HS-Veranlagung sogar die Basis und der Schlüssel zum Erfolg! - Also JA, nach vielen vielen Jahren wird das Wirklichkeit, was ich mir immer gewünscht habe: dass Privates, Berufliches und meine spirituellen Interessen kein Gegensatz sind oder nebeneinander herlaufen, sondern eine Einheit, wo eins das andere stärkt und bereichert!  

 

Du warst schon öfters in Indien, ist das was für Hospeas?

 

Pauschal würde ich sagen: Indien ist für jede hochsensible Person der "Super-GAU"! Dieses Land mit seinen extremen Gegensätzen, einer teils geradezu rücksichtslosen Kultur im Umgang mit Schwächeren, Minderheiten oder der Natur fordert einen teilweise bis zum Äußersten heraus. Wie jedes "warme" Land, wo sich alles mehr draußen als drinnen abspielt, ist es sehr laut, wenn man nicht gerade das Glück einer geschützten Nische hat. Es "duftet" und stinkt an jeder Ecke anders (zum Beispiel trocknen kilometerweise Fische an der Straße zum Strand bei 50 Grad in der Sonne, üblicherweise wird der wöchentliche Müll samt Plastiktüten und allem verbrannt, wenn nicht einfach in die Natur geworfen, wo er vor sich hin gärt usw. usw. ) 

 

Andererseits verblüfft Indien, beziehungsweise die Inder einen immer wieder durch ihre sprichwörtliche Gelassenheit, wo wir HSPs uns einiges abgucken können (die teils natürlich durch die dauernde Hitze bedingt ist, teils aber auch schlicht eine Resignation darstellt vor den mannigfaltigen Problemen auf allen Ebenen, größtenteils aber wohl einer von frühester Kindheit an anerzogenen Akzeptanz der tatsächlich nicht zu ändernden Umstände entspringt). 

 

Unberührte, einsame Natur und Orte gibt es kaum mehr, damit auch für den einzelnen Inder selbst kaum Privatsphäre. Dennoch gehen sie teils bewundernswert liebevoll und freundlich miteinander und mit Fremden um, und wie wir immer wieder feststellen - wenn alles komplett festgefahren scheint, tut sich plötzlich wie aus dem Nichts eine fantastische Lösung auf, die es in Deutschland so sicher nicht gegeben hätte! Man lernt also auf völlig neue Weise, was Akzeptanz, innerer Frieden und Vertrauen bedeuten! Und wie man an meinen Fotos sieht, gibt es immer noch diese Momente, wo die Zeit still zu stehen scheint und Indien seine tiefe Schönheit offenbart.

 

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

 

Ich habe bewusst keine feste Vorstellung, hoffe aber, mit meiner Cranio-Praxis eine erfüllende Arbeit zu haben, mit der ich viele Menschen unterstützen kann auf ihrem Weg zu sich selbst. Natürlich wünsche ich mir auch viele weitere glückliche Jahre mit meinem Mann und viele bereichernde Beziehungen! - auch etwas mehr Gelassenheit und ein "dickeres Fell", da wo es angebracht ist.

 

 

 

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